Die konkrete Geschichte beginnt eigentlich im Jahr 1995, auch wenn Katzen schon immer das Leben meiner Frau und mir bestimmten. Wir beschlossen nach langem Hin und Her uns nun doch, neben unseren drei Hauskatzen, eine "echte" Maine Coon anzuschaffen.
Alec & Beauty Ich hatte auch schon ein klares Bild meiner Traumkatze im Kopf, sie sollte den typischen Wildlook tragen, ruhig ein bischen frech, dabei jedoch nicht zu unahbar sein.
Gesagt getan, Zeitungen gewälzt und Telefonate geführt, die uns dann zu einer kleinen, wie wir später erfuhren in Züchterkreisen jedoch wohlbekannten Cattery in Dortmund brachten. Dort erstand meine Frau, mit dem typisch weiblichen Gespür, unseren ersten Maine Coon, Einstein of Mohawk (gen. Simba). Für mich war es Liebe auf den ersten Blick, er sah mit seinem langen Fell, der tollen Tigerzeichnung, dem buschigen Schwanz , sowie den luchsartigen Ohren aus, wie eine kleine, etwas unproportional geratene Mischung aus Waschbär und "Straßenstromer".
Ich sollte in den nächsten Wochen und Monaten erfahren, wie so ein kleiner Kerl ein ganzes Leben umkrempeln kann.

Er brachte reges Leben ins Haus, nichts blieb unentdeckt und nichts blieb unversucht etwas zum Spielen und Toben umzufunktionieren, ob Plastiktüte, Feuerzeug oder Blumenampel, mit allem wurde bis zur Erschöpfung gespielt, was jedoch bei einem jungen Maine Coon Kater sehr lange dauern kann.
Außerdem fiel uns auf, daß Simba absolut keine Furcht kannte und Fremden extrem vertrauensvoll gegenübertrat.

Im Dezember besuchten wir dann mit unserem inzwischen etwas wuchtiger gewordenen Kater unsere erste Katzenausstellung, die mit etwa 600 teilnehmenden Katzen in Unna stattfand. Ich kann mich noch genau erinnern, daß wir rein garnichts über Ausstellungen wußten und das unser Käfig recht spartanisch ausgestattet war.
Irgendwann Morgens, mußten wir dann in einen Raum in dem die Katzen gerichtet wurden, und den wir mit klopfendem Herzen betraten.
Der Richter, ein Franzose spielte mit unserem Kater und ich gewann irgendwie den Eindruck, daß der Funke der Sympathie für Simba auch auf den Richter übergesprungen war.
Belana als Baby Simba gewann an diesem Tag das erste mal gegen Konkurrenz, sprich gegen einen Maine Coon Kater in der gleichen Farbe und in der gleichen Altersklasse und das sollte nicht alles gewesen sein.
So um 14.30 Uhr kam ein Junge in einem weißen Kittel und gab uns zu verstehen, daß wir noch mal in den Richterraum müssten. Mehrere Maine Coons waren anwesend und wir konnten nach kurzer Zeit zum Käfig zurück, wo uns eine Käfignachbarin verriet, daß dies eine Vorausauswahl zur "Best in Show" war, bei der die besten Katzen einer Rasse ausgesucht und prämiert werden.
Wir waren füchterlich aufgeregt und ich gab meiner Frau zu verstehen, daß sie im Fall der Fälle auf die Bühne müsse. Prompt wurde dann um 16.30 Uhr die Nummer 69 aufgerufen und jetzt wurde auch meine Frau hektisch.
Auf der Bühne wurden die besten Katzen innerhalb der Rasseklassen (Halblanghaar, Langhaar, Kurzhaar und Exotic Shorthair)und in der Altersklasse öffentlich für den Titel "Best in Show" gewählt. Hypernervös filmte ich die Bewertung und hätte fast die Kamera fallen lassen, als die Richter einstimmig die Tafel Nr. 69 hochhielten und Simba den Titel "Best in Show" verliehen.
Er wurde an diesem Nachmittag noch "Best of Best", also beste Halblanghaarkatze und es kam wie es kommen mußte, das Fieber hatte uns gepackt!

Simba wurde am 14.12.96, ein Jahr nach seiner ersten Ausstellung Europachampion! (heute haben wir es mit den Titeln nicht mehr so eilig!)

Im April wurde dann mit dem Kauf von Whoopie, die wir gezielt aussuchten der Grundstein für unsere Zucht gelegt.
Whoopie ist eine sog. Schildpattkatze, also eine dreifarbbige Katze, die eine Ihrer Farben an Ihre Söhne weitervererben kann. Genetisch bedingt können die Farbe schildpatt in der Regel nur weibliche Tiere tragen, was wäre jedoch eine Regel ohne Ausnahme?
Es gibt Kater, die drei oder sogar noch mehr Farben aufweisen, jedoch sind diese Kater sehr selten und meistens nicht zeugungsfähig.
Alice as a kitten Whoopie ist etwas zurückhaltender als Simba, jedoch nicht weniger süß, sie entspricht mehr dem amerikanischen Maine Coon Typ, mit einer etwas längeren und kantigeren Schnauze. Auch sie errang mehrere Titel "Best in Variety" und "Best in Show".

Anfang Juli 1996 erstanden wir ein Haus, etwas außerhalb von Hemer (Sauerland), mit einem riesigen Grundstück, perfekt für ein großes Coonie-Freihgehege.
Simba mußte irgenwie mitbekommen haben, das wir mit Coonie-Nachwuchs planten, einen Augenblick waren wir nicht wachsam und schon war es passiert, er hatte Whoopie gedeckt.
Die Tragzeit der Katze beträgt c.a 60-66 Tage und wir rechneten uns aus, daß die Geburt genau in den Zeitpunkt unseres geplanten Umzugs fallen würde.
"Auch das noch!"
Wir wohnten gerade eine Woche in unserem neuen, behelfsmäßig hergerichteten Domizil und Whoopie ähnelte schon mehr einem Fußball als einer Katze, Die Tragezeit war schon überschritten, Whoopie jedoch zeigte keinerlei Anzeichen einer bevorstehenden Geburt.
Ich hatte zum Glück inzwischen eine sehr nette und langjährig erfahrene Maine Coon Züchterin kennengelernt, die mir über e-mail und mit seitenlangen Faxen einen Schnellkurs in Katzengeburten gab. Wir hatten schon alle Utensilien besorgt, also eine Nabelschere, einen Faden zum eventuellen Abbinden und spezielles Desinfektionsmittel, außerdem hingen in der ganzen Wohnung Zettel mit der Privatnummer unseres Tierarztes.
Es kann bei einer Katzengeburt sehr viel schief gehen, so das ein sehr schnelles Eingreifen erforderlich ist um das Leben der Babys und im schlimmsten Fall der Mutter zu retten.
Es war inzwischen der 07.09.96, ein Samstag, ereignislos ins Land gegangen und wir bereiteten uns darauf vor in der kommenden Woche kurzfristig Babyurlaub nehmen zu müssen, denn es ist bekannt; Babys kommen gerne in der Nacht.
Am Sonntag dann waren wir bei meinen Eltern, die im gleichen Haus wohnen, zum Essen und wir schauten wechselnd alle halbe Stunde nach Whoopie.
Um 21.30 hatte ich dann "Wache" und stellte erstaunt fest, daß Whoopie das erste Mal in der Wurfkiste lag, die wir Ihr schon über den Zeitraum von zwei Wochen angeboten hatten. Ihr Atem ging schnell und sie schnurrte sehr laut. Ein untrügliches Zeichen, es war soweit!
Ich machte mich zu diesem Zeitpunkt schon auf eine lange, heiße Nacht gefaßt, da diese Phase der Geburt von 30 Minuten bis zu mehreren Tagen andauern kann.
Zwischendurch ging ich dann zu meinen Eltern um eine Zigarettenpause zu machen, und ich hatte gerade die Hälfte der Zigarette geraucht als meine Mutter atemlos hereingestürzt kam und schrie:"Komm schnell das erste ist da, Tine weiß nicht was sie tun soll"!
Brille als Baby Ich rannte so schnell wie ich konnte in unsere Wohnung. Whoopie und Tine saßen schreckensstarr im Schlafzimmer und bei Whoopie hing ein lebloses, schwarzes, glitschiges Etwas heraus.
Jetzt war schnelle Hilfe geboten, ich band die Nabelschnur ab, das Kleine bewegte sich immer noch nicht, und die Zeit des Abbindens kam mir vor wie Stunden. Ich wußte das die Haut die das Kleine umschloß schnell entfernt werden mußte, sonst hätte es keine Lebenschance.
Ich entfernte die Haut nahm das kleine neue Leben in meine Hand und es fing ganz hastig an..... .....zu atmen.
Ein Glücksgefühl durchströmte mich, Arielle war geboren und lebte!
Es war jedoch keine Zeit sich lange zu freuen, das nächste Baby folgte.
Meine Frau und ich waren jetzt jedoch schon ruhiger und als wir den roten Körper von Alec sahen machte es keine Mühe mehr alles richtig zu machen.
In rund zwei Stunden brachte Whoopie, die übrigens hinterher schon selbst mit eingriff, sechs kleine, muntere, hungrige Coonies auf die Welt.
Arielle, Alec, Aljoscha, Alice, Anna-Elina, und Artos wurden sie getauft.
Unsere Cattery war jetzt amtlich und alle waren gesund!
Die Kleinen wurden von drei Ausstellungen, die wir mit ihnen besuchten zweimal "Bester Wurf Halblanghaar". Alle der Babys fanden ein tolles Zuhause und Alice und Alec blieben bei uns und werden unserer kleinen Cattery auch für Lebzeiten erhalten bleiben.
Inzwischen hatten wir drei Würfe und sind auch in einigen Maine Coon Organisationen sehr aktiv, unseren erster Wurf wird jedoch unvergesslich für uns bleiben.


Ende des Jahres 1998 entschlossen Christine, unsere Freundin Yvonne (Firestarter Maine Coons)und ich uns dazu unsere Cattery zu erweitern und eine Zuchtgemeinschaft zu bilden. Wir liegen in unseren Ansichten die Zucht betreffend, sehr stark auf einer Wellenlänge und wir haben so die Möglichkeit in Zukunft noch flexibler zu agieren und unsere Linien mit echtem Outcross sinnvoll zu erweitern. Jeder Maine Coon Züchter müßte es sich eigentlich eingestehen, der Genpool der Maine Coons muß größer werden.
Wir arbeiten daran....
Fortsetzung folgt